Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch

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Die Kaiserschnittrate in Deutschland ist zu hoch

Das Statistische Bundesamt hat die neue Kaiserschnittrate veröffentlicht. Im Jahr 2017 waren 30,5 Prozent der Klinikentbindungen in Deutschland Kaiserschnitte.

Das ist zu hoch, wie der Deutsche Hebammenverband e. V. (DHV) warnt. Er fordert die Stärkung der physiologischen Geburt und sieht dringenden Handlungsbedarf, die Anzahl der Kaiserschnitte in Deutschland zu senken. Jeder Kaiserschnitt ist eine Operation und sollte nur dann durchgeführt werden, wenn er medizinisch notwendig ist. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist nur bei bis zu zehn Prozent der Fall.

Mütterliche Sterblichkeit bei Kaiserschnitt höher als bei natürlicher Geburt
„Vor dem Hintergrund, dass die Sterblichkeitsgefahr für die Mütter bei einem Kaiserschnitt weit höher ist, als bei einer natürlichen Geburt, muss hier unbedingt mehr aufgeklärt werden“, fordert Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg e. V.

Die zugrundeliegenden belastbaren Zahlen stammen zwar aus den Niederlanden, so Eichenauer, aber sie sind offiziell und innerhalb Europas durchaus vergleichbar. Die Ergebnisse des Maternal Mortality and Severe Morbidity Audit Commitee der Niederländischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe wurden am 30.8.2018 veröffentlicht (s. u.) und in der Deutschen Hebammenzeitschrift online auf Deutsch vorgestellt (s. u.).

So untersuchte das Committee 2.684.946 Geburten im Zeitraum vom 1. Januar 1999 bis 23. Dezember 2013 in den Niederlanden.
Das Risiko, nach einem Kaiserschnitt zu sterben, liegt demnach bei 21,9 : 100.000 (86 von 393.443 Sectiones). Demgegenüber liegt das Risiko bei Spontangeburten nur bei 3,8 : 100.000 Geburten (RR 5,7).
Direkt während der Sectio verstarben 8 der 86 Frauen, die anderen verstarben post operationem in einer Verkettung von Erkrankungen, die letztlich zum Tod führten. Bei 70 der 86 Frauen waren diese bereits zu Beginn des Kaiserschnitts präsent.
Im Vergleich zur vaginalen Geburt ist das Sterberisiko bei einer Sectio dreimal höher als bei vaginalen Geburten, wenn man die Todesfälle herausnimmt, die nicht unmittelbar mit dem chirurgischen Eingriff in Zusammenhang standen. In 1 von 10 Todesfällen nach der Sectio ist dieser tatsächlich operationsbedingt ausgelöst in einer Kette verschiedener Erkrankungen.

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zur Erhebung der Kaiserschnittrate 2017, 17.09.2017

Kommentar des Deutschen Hebammenverbands (DHV) zur Kaiserschnittrate, 17.09.2018

Quelle zur Sterblichkeitsrate bei Kaiserschnitten in den Niederlanden: Kallianidis AF et al.: Maternal mortality after cesarean section in the Netherlands. EJOG, 30.8.2018. https://www.ejog.org/article/S0301-2115(18)30954-0/fulltext DHZ

Veröffentlicht in der Deutschen Hebammenzeitschrift online

18. September 2018|