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Bahr muss endlich handeln
Berlin, 29.6.2012

Protestaktion vor dem Kanzleramt / „Immer mehr freiberufliche Hebammen können sich die steigenden Haftpflichtbeiträge nicht mehr leisten“
Vor dem Bundeskanzleramt haben Bürgerinnen und Bürger Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) aufgefordert, höhere Vergütungen für die freiberuflichen Hebammen durchzusetzen. Als hochschwangere Frauen verkleidete Aktive riefen laut um Hilfe, doch weiße Hebammen aus Pappe konnten nichts für sie tun. Mit der Protestaktion wollte das Kampagnennetzwerk Campact gemeinsam mit den Hebammenverbänden darauf aufmerksam machen, das immer mehr freiberufliche Hebammen die Geburtshilfe aufgeben, weil sie die steigenden Beiträge für ihre Haftpflichtversicherung nicht mehr bezahlen können.
„Zum 1. Juli steigen die Haftpflichtbeiträge erneut, von durchschnittlich 3700 Euro auf 4200 Euro jährlich. Gleichzeitig beträgt die Vergütung für freiberufliche Hebammen aber nur 7,50 Euro netto in der Stunde“, sagte Fritz Mielert von Campact. „Gesundheitsminister Bahr muss jetzt endlich handeln und muss per Rechtsverordnung für höhere Hebammen-Vergütungen sorgen. Er darf sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen.“
„Seit 2007 geben jeden Monat durchschnittlich 23 Hebammen die Geburtshilfe auf. Das ist eine erschreckend hohe Zahl“, erklärte Susanne Schäfer, Vorsitzende des Bunds freiberuflicher Hebammen Deutschlands e. V. (BfHD). „Hauptgrund hierfür ist das Missverhältnis zwischen extrem steigenden Versicherungsbeiträgen und der Vergütung der Geburtshilfe. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, ihr Versprechen von 2007 endlich umsetzen und die Vergütungen an die Bedürfnisse anpassen.“
„Die außerklinische Geburtshilfe ist in weiten Teilen des Landes bereits gestorben“, erklärt Katharina Jeschke, Beirätin für den freiberuflichen Bereich im Deutschen Hebammen-verband in Bezug auf eine Studie des Gesundheitsministeriums. „Und auch Besuche von Hebammen im Wochenbett sind nicht mehr für alle Familien zu erhalten. Die Lage verschärft sich weiter: Aufgrund miserabler Aussichten beginnen immer mehr ausgebildete Hebammen ihren Beruf gar nicht erst.“
„Die Wahlfreiheit des Geburtsortes ist ein hohes gesellschaftliches Gut“, so Nitya Runte, Vorsitzende des Vereins Hebammen für Deutschland, der sich für den Erhalt individueller Geburtshilfe einsetzen. „Es darf nicht einem vorgeschobenen Sparzwang der Kranken¬kassen und der Trägheit des Herrn Bahr zum Opfer fallen. Diese Wahlfreiheit jedoch steht und fällt mit der Möglichkeit, dass Hebammen von ihrem Beruf auch leben können. Denn ihre verant-wortliche Tätigkeit ist kein Laienamt oder Hobby, es ist ein Beruf und verdient auch eine der Verantwortung entsprechende Vergütung!“
Mehr als 148.000 Menschen haben bereits an Bundesgesundheitsminister Bahr appelliert (http://www.campact.de/hebammen/sn1/signer ), per Rechtsverordnung für höhere Vergütungen der freiberuflichen Hebammen zu sorgen, damit diese ihren Beruf weiter ausüben könnten.
