04.05.2012
IGES-Studie bestätigt Einschätzung des Hebammenverbands Baden-Württemberg zur existenzbedrohenden Situation der Hebammen
- Studie stellt Hebammenmangel fest
- Hebammen fordern eine Erhebung zur Situation in Baden-Württemberg
- Politik muss endlich handeln
Tübingen, 04.Mai 2012: Die IGES-Studie, die im vergangenen Jahr im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt wurde, liefert ein umfassendes Bild der Versorgungs- und Vergütungssituation der Hebammen. Mit den heute veröffentlichten Ergebnissen bestätigt sie die prekäre Lage der Hebammen. Insgesamt hatten im vergangenen Jahr ca. 3.600 Hebammen an der Befragung teilgenommen und u.a. zu ihren Einkünften aus Hebammenhilfe Auskunft gegeben.
Ansteigende Haftpflichtkosten führen zur Aufgabe des Berufs
Laut Untersuchung ist die Diskrepanz zwischen niedrigen Einkünften und massiv steigenden Haftpflichtgebühren der wesentliche Faktor dafür, dass viele Hebammen ihren Beruf aufgeben. Gemäß Studie liegt bei rund 77 % der Hebammen der Gewinn vor Steuern unter der Grenze für ein geringfügiges Einkommen. Das Jahreseinkommen beläuft sich durchschnittlich auf knapp 24.000 Euro. Im Gegenzug sind die Kosten der Berufs-Haftpflichtversicherung auf mehr als 4.200 Euro gestiegen.
Hebammenmangel hat dramatische Folgen
Die Studie bestätigt zudem, dass in Deutschland bereits ein Mangel an Hebammen herrscht. Immer mehr Hebammen reduzieren ihre Arbeit oder planen, sie ganz aufzugeben. In Baden-Württemberg hat sich in einigen Regionen die Zahl der Hebammen bereits halbiert. Die Folge: Eine flächendeckende Betreuung von Schwangeren ist angesichts der sinkenden Zahl freiberuflich tätiger Hebammen nicht mehr sichergestellt. Auch die fortschreitenden Klinikschließungen tragen zu einer Unterversorgung in der Geburtshilfe bei. Die Situation wird sich voraussichtlich noch verschärfen: 40 % der befragten Hebammen planen, mit zusätzlichen Angeboten ihre Existenz zu sichern. Jede fünfte Hebamme denkt darüber nach, aus dem Beruf auszuscheiden. Im Gegensatz zur Einschätzung des Gesundheitsheitsministeriums in seiner aktuellen Pressemeldung kann der Hebammenverband Baden-Württemberg darin kein positives Bild der Versorgungslage erkennen.
Politik muss handeln, nicht reden
Die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers Bahr, die Krankenkassen sollten bei künftigen Verhandlungen die Lage der Hebammen besser berücksichtigen, reicht nicht aus, um einen Berufsstand vor dem Aussterben zu bewahren. Wie wirkungslos solche Aufforderungen sind, zeigt sich ganz aktuell: Der Spitzenverband der Krankenkassen ist bei den heutigen Verhandlungen in Berlin den Forderungen des Deutschen Hebammenverbandes (DHV) in keiner Weise entgegengekommen. Daraufhin unterbrach der DHV die Verhandlungen unter Protest. Bereits im vergangenen Jahr waren Finanzierungsverhandlungen gescheitert.
Die Versorgungsengpässe und die schlechte Verdienstsituation der Hebammen sind eine gesundheitspolitische Katastrophe für unsere Gesellschaft. Der Hebammenverband Baden-Württemberg fordert deshalb konkrete Maßnahmen von der Politik, um die Haftpflichtsituation zu verbessern. Dazu gehört die Aufforderung, endlich gesetzgeberisch in den privaten Haftpflichtversicherungsmarkt einzugreifen. Zudem wird der Landesverband der Hebammen eine zeitnahe Erhebung der Situation in Baden-Württemberg einfordern.
Über den Landesverband der Hebammen Baden-Württemberg:
Der Hebammenverband Baden-Württemberg gehört zum Deutschen Hebammenverband und vertritt die beruflichen Interessen der angestellten und freiberuflichen Hebammen auf Landesebene. Die Berufsorganisation ist mit 2.691 Mitgliedern der zweitgrößte Landesverband. Sie ist in 33 Kreisverbände untergliedert.
Der Landesverband setzt sich für die berufspolitischen Belange der Hebammen ein. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen vertritt er auch die Anliegen werdender und junger Mütter sowie ihrer Familien und trägt zur Gesundheitserziehung der Bevölkerung bei.
Mehr Informationen: www.hebammen-bw.de
Pressekontakt:
Ulrike Geppert-Orthofer
Hebammenverband Baden-Württemberg e.V.
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