Hebammen über drei Generationen

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Hebammen über drei Generationen

Überliefertes Wissen über 120 Jahre

Drei Generationen von Hebammen in Folge, das ist heutzutage außergewöhnlich und deshalb ein besonderes Geschenk. Wissen von Generation zu Generation zu vermitteln, ist weit mehr, als Lehrbücher leisten können. Wir Hebammen sind sehr stolz auf unsere Tradition, die Erfahrungs-Wissen und Wissenschaft immer verbunden hat. Heute tritt natürlich die Wissenschaft mehr und mehr in den Vordergrund, umso schöner ist es, wenn die alten Werte noch Einzug in die Praxis finden können.

Schönau ist allein aus dieser Sicht ein bevorzugter Ort. Hier hat die Großmutter über die Tochter die Hebammenkunst bis auf die Enkelin weitergegeben. Und sicher wurde auch die Begabung vererbt.

Die Großmutter war ab 1897 freiberufliche Hebamme in Schönau und einigen umliegenden Land-Gemeinden. Sie hat 1933 ihre Aufgabe mitsamt dem Wissen an ihre Tochter weitergegeben, die fast 35 Jahre als freiberufliche Hebamme, nun schon mit Beleggeburten, in Schönau tätig war. Sie konnte sogar dem heutigen Bundestrainer Jogi Löw auf dem Weg in die Welt helfen.
1967 übergab sie den Stab an ihre Tochter. Elisabeth Lais war eine überaus engagierte Hebamme. Sie war in den 70ern Vorsitzende der Hebammenkreisverbands Lörrach, wo sich schon ihre Mutter als Schriftführerin engagiert hatte. Ihr Beruf war für sie eine Berufung. Die Niederlassungserlaubnis war für sie auch eine Verpflichtung zur Versorgung, wie ihr Mann, Max Lais, erzählt. Sie ermöglichte sogar Praxisgeburten im Haus ihrer Mutter, was aus der Not entstanden war, nachdem die geburtshilflichen Klinikeinrichtungen in der Umgebung geschlossen wurden.
Bis zuletzt hatte sie Kontakt zu den Kindern, denen sie auf die Welt half, selbst zu ihrer Examensgeburt. Ihre letzte Entbindung war eine Hausgeburt am Muttertag 2004. Was für ein schöner Abschluss!

So ein Hebammen-Dasein ist ja kaum vergleichbar mit anderen Berufen. Da müssen alle mit ran, auch die Ehemänner, sonst ist das kaum zu schaffen. Dieser Beruf gleicht eher einem teuren Hobby, denn der Verdienst war schon immer mager und die heutigen Versicherungsbeiträge horrend. Freizeit oder gar Urlaub? Fehlanzeige – früher noch viel mehr als heute. So war das auch bei Elisabeth Lais. Ihr Mann und auch zuvor ihr Vater waren engagierte Hebammen-Männer. So war es für Max Lais wie auch für seinen Schwiegervater eine Selbstverständlichkeit, dass er bei Nacht und Nebel seine Frau zu den Geburten begleitete. Und weil an der Geburtshilfe enorm viel Bürokratie hängt, hat er davon auch einiges übernommen.

„Mit Elisabeth Lais, die am 24.04.2016 verstarb, ist eine wundervolle Tradition in Schönau zu Ende gegangen. Wir Kolleginnen bedauern das sehr. Aber es ist tröstlich, dass es so erfüllte Hebammenleben über drei Generationen waren“, so Jutta Eichenauer, 1. Vorsitzende des Hebammenverbands Baden-Württemberg.

Über die Geschichte der Elisabeth Lais hat der Förderverein Klösterle Schönau ein kleines Büchlein veröffentlicht, das im Rahmen einer Ausstellung über die drei Schönauer Hebammen im Heimatmuseum Klösterle präsentiert wurde.
Das Büchlein kann man über den Förderverein Klösterle erwerben.

Badische Zeitung, 29.05.2018: Hebammen aus drei Generationen

Das Beitragsbild haben wir diesem Artikel in der Badischen Zeitung mit Dank entnommen.

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Hildegard Seger (ganz links) hat mit Hilfe von Max Lais eine Broschüre über die letzte Schönauer Hebamme erstellt und vorgestellt. Ihre letzte Geburt, Annalena Wetzel, war mir ihrer Mutter Silvia auch mit dabei (Quelle: Badische Zeitung, 29.05.2018)

 

7. Juni 2018|